Das Stipendienprogramm des MTC

Geförderte Bildung in der Provinz San Marcos, Guatemala

ICAGUA unterstützt die Aktivitäten von MTC seit vielen Jahren. Aktuell finanziert ICAGUA Stipendien für 180 Kinder und Jugendliche sowie für 2 Studierende, die von MTC vergeben und betreut werden.

Die Stipendien werden jeweils zur Hälfte an männliche und weibliche Stipendiaten vergeben. Von den aktuell 180 geförderten Schülerinnen und Schülern sind wiederum die Hälfte bis zu zwölf Jahre alt und die andere Hälfte älter als zwölf Jahre. Hiermit wollen wir gemeinsam mit MTC sicherstellen, dass schulische Bildung über alle Altersstufen und Schulbildungsgrade gefördert wird. So soll erreicht werden, dass sich die geförderten Personen einerseits zukünftig aus ihrer eigenen Armutssituation befreien können und andererseits zukünftig auch als Multiplikatoren und politische Nachwuchskräfte zur Überwindung der politischen, ökonomischen, sozialen und ökologischen Verhältnisse unter Beachtung, Wertschätzung und Förderung der verschiedenen Kulturen in der Provinz San Marcos beitragen.

Mit MTC hat ICAGUA einen professionell arbeitenden, glaubwürdigen und zuverlässigen Partner für das Stipendienprogramm in der Provinz San Marcos.

Über die lokalen Stipendienkommissionen in den verschiedenen Ortschaften des Hochlandes, des zentralen Tales von San Marcos und des Tieflandes erhalten wir zum Ende eines jeden Schuljahres Berichte der einzelnen Stipendiaten, die wir zur Unterrichtung an die Stipendienförderer von ICAGUA weiterleiten.

Wir danken den wunderbaren Menschen von MTC für ihre phantastische Arbeit und für die langjährige vertrauensvolle und von Freundschaft geprägte Zusammenarbeit!

Movimiento de trabajadores campesinos San Marcos

Über Movimiento de Trabajadores Campesinos (MTC)

MTC Movimiento de Trabajadores Campesinos de San Marcos (übersetzt: Landarbeiterbewegung von San Marcos) wurde im Jahre 1997 gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt die Menschenrechte und die Arbeitsrechte der Landarbeiter und der Kleinproduzenten in der Armutsprovinz San Marcos zu verteidigen. Darüber hinaus will MTC daran mitwirken, für marginalisierte Bevölkerungsgruppen in der Provinz die ökonomische Situation zu verbessern, die politische Teilhabe zu ermöglichen und die kulturelle Identität zu bewahren.

MTC ist in allen Teilen der Provinz San Marcos aktiv, also im Hochland, welches überwiegend von Maya bewohnt wird, in der Provinzhauptstadt San Marcos und in den Regionen des Tieflandes bis zur pazifischen Küste.

Die Provinz San Marcos

Die Provinz San Marcos liegt im äußersten Südwesten Guatemalas und erstreckt sich auf 3.791 qkm. San Marcos, mit der gleichnamigen Provinzhauptstadt, ist topographisch gekennzeichnet durch gebirgige Landschaften des Hochlandes mit Ortschaften, die über 4.000 m liegen, wie auch durch Tieflandzonen an der Küste des Pazifiks. Jede dieser Regionen ist von ihrem eigenen landwirtschaftlichen Produktionssystem gekennzeichnet. Im Hochland verursachen das kalte Klima, Bodenerosion und abnehmende Bodenfruchtbarkeit aufgrund einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der oft nur kleinen Flächen der bäuerlichen Betriebe, eine lediglich geringe Produktivität mit unzureichenden Erträge. Diese sind oftmals zu gering, um den indigenen Familien vom Volke der Maya eine ausreichende Basis zum Überleben zu bieten. Angesichts dieser Armutssituation migrieren viele Kleinbauern/-bäuerinnen mit ihren Familien während der Erntezeit auf die großen Haziendas, Plantagen und Kaffeefincas oder nach Mexiko. Vielfach versuchen die verzweifelten Menschen auch, über den beschwerlichen und gefährlichen Weg durch Mexiko in die USA zu gelangen.

Der Süden der Provinz San Marcos ist durch eine extrem ungleiche Landverteilung gekennzeichnet: Minifundien der kleinbäuerlichen Familien befinden sich neben riesigen Viehzuchtbetrieben und großen Plantagen für die Exportgüter wie Kaffee, Zucker, Kautschuk. Dort leben und arbeiten die Arbeiter/-innen und vor allem die temporär anwesenden Wanderarbeiter/-innen aus dem Hochland unter sklavenähnlichen Bedingungen. Diese Großbetriebe sind in den vergangenen Jahren durch die großen Preisschwankungen an den internationalen Rohstoffmärkten, insbesondere im Bereich Kaffee negativ betroffen gewesen. Auf den Kaffeefincas gab es zeitweise viele Entlassungen von bisher festangestellten Landarbeiter(inne)n, wobei ihnen oftmals die zustehenden Abfindungszahlungen nicht gezahlt wurden.

Die Einwohner von San Marcos

Ein großer Teil der zirka eine Million Einwohner der Provinz San Marcos ist in der Landwirtschaft tätig. Sie arbeiten subsistenzwirtschaftlich oder deutlich unterhalb des aktuellen gesetzlichen Mindestlohnes von USD 11,65  pro Tag. Die Armutsquote der Bevölkerung liegt über dem Durchschnitt Guatemalas. Die hohe Arbeitslosenrate und eine hohe Analphabetismusquote von mehr als 40 % verschärfen und perpetuieren die ökonomische und soziale Lage.

Die Lebensgrundlage der Hochlandbewohner/-innen wurde zudem durch den Goldbergbau bedroht. Die Tagebaumine „Marlin“, die trotz des jahrelangen Widerstandes der indigenen Bevölkerung ab 2005 in Betrieb war, benötigte so viel Wasser, dass der Grundwasserspiegel drastisch gesunken ist. Das verbleibende Wasser in der Region ist durch Chemierückstände stark verunreinigt und verursacht Krankheiten bei den Menschen und bei den Tieren.

Eine politische Teilhabe wird neben dem Problemfeld mangelhafter Bildung auch durch eine wenig effiziente kommunale Struktur sowie durch eine Vielzahl verschiedener lokal agierender Organisationen erschwert.

Genau an dieser Stelle möchte MTC als Organisation, die in der gesamten Provinz tätig ist, ansetzen und durch ihr differenziertes Programmangebot eine dauerhafte positive Veränderung für die benachteiligten Bevölkerungsschichten in der Provinz San Marcos erreichen.

Das Programmangebot bietet u.a. diese Themen:

  • politische Bildung
  • juristische Beratung und Begleitung in arbeitsrechtlichen und menschenrechtlichen Konfliktfällen
  • Weiterbildungsprojekte
  • Nachhaltigkeits-Workshops
  • Stipendienvergabe zur Ermöglichung schulischer Bildung